{"id":647,"date":"2014-01-18T15:52:52","date_gmt":"2014-01-18T13:52:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.weppelmann.de\/?p=647"},"modified":"2014-02-07T09:18:47","modified_gmt":"2014-02-07T07:18:47","slug":"archiv-wilm-weppelmann-1999-teil-hundert-portraets-und-ein-satz","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.weppelmann.de\/?p=647","title":{"rendered":"Archiv 1999: hundert portr\u00e4ts und ein satz"},"content":{"rendered":"<div class=\"pf-content\"><h3 style=\"text-align: center;\">Archiv Wilm Weppelmann: 1999 Teil 2<\/h3>\n<h3 style=\"text-align: center;\">22.5. bis 30.6.1999 Ausstellung: &#8222;zukunft?! &#8211; hundert portr\u00e4ts und ein satz- photography Wilm Weppelmann&#8220; gallery 48143 M\u00fcnster Bahnhofstr. 6<\/h3>\n<p><strong>Dokumentation:<\/strong> <a href=\"http:\/\/youtu.be\/VrdnK_vx8AQ\">Fernsehbericht WDR 3 21.5.1999<\/a> und Radio Antenne M\u00fcnster Mai 1999<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/www.weppelmann.de\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/Dokumentation-Ausstellung-Zukunft-22.5.-bis-30.6.1999_Seite_01-klein.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-635 aligncenter\" alt=\"Dokumentation Ausstellung Zukunft 22.5. bis 30.6.1999_Seite_01 klein\" src=\"http:\/\/www.weppelmann.de\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/Dokumentation-Ausstellung-Zukunft-22.5.-bis-30.6.1999_Seite_01-klein-300x211.jpg\" width=\"300\" height=\"211\" srcset=\"http:\/\/www.weppelmann.de\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/Dokumentation-Ausstellung-Zukunft-22.5.-bis-30.6.1999_Seite_01-klein-300x211.jpg 300w, http:\/\/www.weppelmann.de\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/Dokumentation-Ausstellung-Zukunft-22.5.-bis-30.6.1999_Seite_01-klein.jpg 354w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/www.weppelmann.de\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/Ausstellungsraum-klein.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-636 aligncenter\" alt=\"Ausstellungsraum klein\" src=\"http:\/\/www.weppelmann.de\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/Ausstellungsraum-klein-225x300.jpg\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.weppelmann.de\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/Ausstellungsraum-klein-225x300.jpg 225w, http:\/\/www.weppelmann.de\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/Ausstellungsraum-klein.jpg 354w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/www.weppelmann.de\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/Dokumentation-Ausstellung-Zukunft-22.5.-bis-30.6.1999_Seite_10-klein.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-637 aligncenter\" alt=\"Dokumentation Ausstellung Zukunft 22.5. bis 30.6.1999_Seite_10 klein\" src=\"http:\/\/www.weppelmann.de\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/Dokumentation-Ausstellung-Zukunft-22.5.-bis-30.6.1999_Seite_10-klein-241x300.jpg\" width=\"241\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.weppelmann.de\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/Dokumentation-Ausstellung-Zukunft-22.5.-bis-30.6.1999_Seite_10-klein-241x300.jpg 241w, http:\/\/www.weppelmann.de\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/Dokumentation-Ausstellung-Zukunft-22.5.-bis-30.6.1999_Seite_10-klein.jpg 354w\" sizes=\"auto, (max-width: 241px) 100vw, 241px\" \/><\/a><a href=\"http:\/\/www.weppelmann.de\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/img019-klein.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-639 aligncenter\" alt=\"img019 klein\" src=\"http:\/\/www.weppelmann.de\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/img019-klein-300x300.jpg\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.weppelmann.de\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/img019-klein-300x300.jpg 300w, http:\/\/www.weppelmann.de\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/img019-klein-290x290.jpg 290w, http:\/\/www.weppelmann.de\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/img019-klein-50x50.jpg 50w, http:\/\/www.weppelmann.de\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/img019-klein.jpg 437w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Kurzbeschreibung:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\u201ehundert portr\u00e4ts und ein satz\u201c sammelte Bilder und pers\u00f6nliche Stellungnahmen zum Thema Zukunft. Dieses Projekt entwickelte sich im flie\u00dfenden \u00dcbergang aus einer bestehenden Ausstellung \u201eich sehe meine augen\u201c. Innerhalb von einer Woche vom 11.5. bis 18.5.99 wurden von einhundert Passanten SW-Portr\u00e4tphotos umgesetzt und jeder von Ihnen beantwortete eine Frage \u201eWie sieht mein Bild der Zukunft aus? Welche Vorstellungen habe ich davon?\u201c Diese ganz individuelle Antwort, als Satz oder einzelnes Wort, wurde ausgedruckt und mitportr\u00e4tiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Die Zukunft in der Fotografie <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Die Portr\u00e4ts von Wilm Weppelmann &#8211; eine Ann\u00e4herung vor der Ferne von Dr. Jef van Gijsel \/ Antwerpen Mai 1999<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Mit jeder Fotografie stehen wir vor einem St\u00fcck Verg\u00e4nglichkeit und Vergangenem, die Gegenwart hat pausiert, um im Stillstand, in der Unterbrechung der Zeit, gefiltert und fixiert zu werden. &#8222;Erkennen Sie vielleicht jetzt selber, da\u00df Sie vor einer Minute ein anderer waren? Sehen Sie lieber zu, ob Sie gar so sicher sein d\u00fcrfen, da\u00df Sie morgen noch der gleiche sein werden, der Sie heute zu sein glauben.&#8220; 1<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Immer den Blick r\u00fcckw\u00e4rts gewandt, auch wenn der Fotograf Jetzt meint und Realit\u00e4t, Vor- und Verstellung und Erscheinung in seinem Fotoapparat zu einem Bild mit eigener(m) Gegenwa(e)rt montiert. &#8222;Der Fotograf ist wohl oder \u00fcbel damit befa\u00dft, die Realit\u00e4t zu antiquieren und jede Fotografie wird sofort zur Antiquit\u00e4t.&#8220; 2 Zeit und Fotografie driften auseinander, um wieder im Bild als Denkmal aufzuerstehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Dar\u00fcber hinauszugehen, die Gegenwart hinter sich zu lassen und sich selbst zu \u00fcberholen, ja in die Zukunft einen Blick zu werfen und im Bild festzuhalten, ist ein alter Menschheitstraum und dann doch wieder &#8222;Le temps est partie prenante&#8220; 5 und alles dreht sich im Kreise. Die Aufl\u00f6sung der Grenzen, wo sich Zeitwege, Endlichkeiten, Aussichten, Visionen, Vermutungen zur Zukunft in der Gegenwart einer Fotografie verbinden und dann wieder vor dem Morgen als Gegenwart verschwinden, diese bemerkenswerte soziale Zeitreise entwikkelt sich in der Bildreihe &#8222;hundert portr\u00e4ts und ein satz&#8220; von Wilm Weppelmann.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Der Exkurs \u00fcber die Zeit mu\u00df weit ausbrechen, um dann vor der klaren Entschlossenheit dieser k\u00fcnsderischen Arbeit jede Verkl\u00e4rung aufzugeben. Also was ist los? Ein Newcomer entl\u00e4dt in die k\u00fcnstlerische Fotografie belebende Dimensionen, n\u00e4herte sich hinterr\u00fccks auf klassischem Schwarz-Wei\u00df-Terrain, um dann wieder aus dem Bild in die Zukunft zu springen. und das alles vor der Lebensperspektive einer deutschen Provinzstadt, irgendwo zwischen K\u00f6ln und Hamburg.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Dort in einer Fotogalerie in Bahnhofsn\u00e4he, also mitten im Herzen der Stadt, wurde im April 1999 die Ausstellung &#8222;ich sehe meine augen&#8220; von Wilm Weppelmann er\u00f6ffnet. Dies war der Ausgangspunkt und die Initialz\u00fcndung f\u00fcr ein weiteres Projekt &#8222;hundert portr\u00e4ts und ein satz&#8220;. Die Ausstellungsr\u00e4ume konnte Wilm Weppelmann auch f\u00fcr die Umsetzung des neuen Themas nutzen. Er holte innerhalb einer Woche hundert Menschen von der Stra\u00dfe, um sie mit der Frage zu konfrontieren: Wie sieht Dein Bild der Zukunft aus? Diese Antwort wurde dann mittels Computer ausgedruckt und der Mensch mit diesem Blatt Papier in der Hand portr\u00e4tiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">So einfach und so komplex gestaltet sich hier die Rolle des Fotografen, denn er ist im Vorspann des Bildes Verk\u00e4ufer, Moderator, Sozialarbeiter und Meinungsforscher, alles in einer Person und alles f\u00fcr ein Satz-Bild. &#8222;Vor dieser geballten, mentalen Kraftprobe h\u00e4tte ich manchmal aufgeben k\u00f6nnen, denn ich hatte Wirkung und Tiefe der Auseinandersetzung mit den einzelnen Menschen untersch\u00e4tzt&#8220;, gibt Wilm Weppelmann zu. Die Worte im Bild sind ehrlicher Ausdruck einer bewegten Zeit, einer Woche mit einem K\u00fcnsder, der die Menschen ernst nahm und in hundert Gespr\u00e4chen ihre eigene Sprachl\u00f6sung suchen lie\u00df, um diese Worte mit ihrem Bild-Gesichts-Ausdruck zu verbinden.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Und nun sind sie in gro\u00dfen Bildtableaus vereinigt. Einhundert Menschen mit ihren individuellen Zukunftserwartungen und ihren Vorstellungen. Jeder aus dem Zufall der Stra\u00dfe vom K\u00fcnstler in ein kleines, tempor\u00e4res Portr\u00e4tstudio gelockt, um eine ganz besondere Aufnahme von sich machen zu lassen. Diese Menschen springen aus ihrer Zeit und mit ihrer Zeit in das ferne Unberechenbare, um in ihren Worten die Zukunft zu umschreiben, sie wissen, da\u00df sie mit der Gegenwart die Zeit aus der Zeit anschieben und ihr die Kontur von Zukunft vermitteln k\u00f6nnen oder auch hilflos, verloren davorstehen und dieses Statement halten sie nun in ihren H\u00e4nden und findet sich bald in einem Bilddokument wieder, mit ihrem Portr\u00e4t untrennbar verbunden. Jedes Gesicht lebt im Bild aus Toleranz und Respekt, so wird der erweiterte dokumentarische Aspekt auch wirklich von Identifikation getragen und in der Gesamtheit wieder zu einer sozialen Plastik vereinigt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">F\u00fcr die Fotopuristen vollf\u00fchrt Wilm Weppelmann nat\u00fcrlich einen unangenehmen Spagat, denn die Kombination zweier Zeichensysteme Foto und Wort l\u00e4\u00dft hier irgendwann das Bild der Vergangenheit zur\u00fcck, um an dem Text die Gegenwart als Zukunft zu verifizieren und doch bleibt beides in diesem spezifischen Identit\u00e4tsdokument verbunden, als ein Ausdruck von gestern. Da dieser Kunstgriff mit einer besonderen inneren Konsequenz und Transparenz aus dem Rahmen f\u00e4llt, gewinnt diese Arbeit eine zus\u00e4tzliche Faszination und Ausstrahlung, die sich auch im Ausstellungsraum mitteilt, denn Wilm Weppelmann \u00fcberl\u00e4\u00dft die Formperspektive der Pr\u00e4sentation nicht der Einseitigkeit, sondern durchlebt und durchdenkt den Raum, um alles im Ganzen f\u00fcr den Betrachter neu zu erschaffen. Ein aufregender Weg, wohin? Die Neugier hat Zukunft &#8230;&#8230; &#8211;<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">1 Luigi Pirandello &#8222;Einer, Keiner, Hunderttausend&#8220;<br \/>\n2 Susan Sontag &#8222;\u00dcber Fotografie&#8220;<br \/>\n3 Christian Dotremont, ein Logogramm von 1973<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Interview mit Wilm Weppelmann\u00a0Radio Antenne M\u00fcnster Mai 1999<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Interview mit Wilm Weppelmann, Fotok\u00fcnstler, zu seinen Ausstellungen &#8222;100 Portr\u00e4ts und ein Satz&#8220; und &#8222;lch sehe meine Augen&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>Herr Weppelmann, Sie haben in Ihrer Ausstellung&#8220; 100 Portr\u00e4ts und ein Satz&#8220; die Zukunftsvisionen von Passantenfestgehalten. Was interessiert Sie an den Zukunftsbildern fremder Menschen? <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Ich war mit diesem Ausstellungskonzept auf der Suche nach dem Menschen. Mein Interesse war, den Menschen neu zu entdecken, neue Gesichter von Menschen zu entdecken. Diese Gesichter schlagen sich dann auch in den Visionen nieder. Auf der anderen Seite wollte ich auch die Erwartungen dieser Menschen entdecken, da ich davon ausgehe, da\u00df Erwartungen Realit\u00e4ten erwecken \u00b7 und da\u00df die Zukunft jetzt schon wie ein Patchwork in den Vorstellungen der Menschen und in ihrer Realit\u00e4t da ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>Wollten Sie den Menschen diese Realit\u00e4ten oder Erwartungen bewu\u00dft machen, indem Sie sie konkret darauf angesprochen haben? <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Ja, aus dieser Arbeit hat sich nat\u00fcrlich eine Diskussion ergeben. Ich habe die Menschen von der Stra\u00dfe geholt wtd ihnen die Frage gestellt: Wie sieht dein Bild der Zukunft aus? Manche konnten das in funf Minuten beantworten. bei manchen hat es eben eine halbe Stunde gedauert. Teilweise gab es sehr intensive Auseinandersetzungen dar\u00fcber, was Zukunft hei\u00dft: Ist es das Morgen, geht es dar\u00fcber hinaus, welche Vorstellungen hat man davon? Das hat nat\u00fcrlich bei einigen Gedankenprozesse berordert, und es war eine sehr intensive Auseinandersetzung . \u2022<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>Die Menschen haben sehr unterschiedliche Bilder von der Zukunft gezeichnet; von ganz d\u00fcster bis zu heiter ist alles dabei. Gibt es Aussagen, die Sie besonders beeindruckt haben?<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Aussagen, die im Bild festgehalten worden sind, entstanden aus der Auseinandersetzung. Ich kann das nicht so konkret festmachen. Es haben ganz spezifische Auseinandersetzungen stattgefunden, um \u00fcberhaupt zu einer Aussage zu kommen. Ich kann daher keine Vorliebe f\u00fcr eine bestimmte Aussage benennen. Der Proze\u00df ist wichtig, nicht das Ergebnis.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>Die Art, wie Sie die Zukunftsvisionen festgehalten haben. ist ja f\u00fcr ein Portr\u00e4t ungew\u00f6hnlich. sie als Schrift mit ins Bild zu setzen. Steck hinter dieser Art zu fotografieren eine bestimmte Aussage von Ihnen?<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Ich spiele nat\u00fcrlich ein bi\u00dfchen mit der Fotografie. Text und Bild, das ist sehr widerspenstig, wenn der Text ins Bild aufgenommen wird und in dem Text eine erweiterte Sph\u00e4re der Portr\u00e4tkultur angesetzt wird. Das hei\u00dft, dieser Text, dieses Wort oder dieser Satz, was es auch immer war, wozu der einzelne gefunden hat, ist ein Teil des Portr\u00e4ts. Er geh\u00f6rt zu ihm, ist ein Bestandteil und ein Ausdruck seiner Person. Das ist ein erweiterter Portr\u00e4tcharakter. Ich spiele nat\u00fcrlich mit den verschiedenen Ebenen der Portr\u00e4tkultur oder -unkultur, und das macht mir auch einen Riesenspa\u00df. Auf der anderen Seite wirken die Bilder direkt in dieser Masse. Es sind hundert Menschen, die durch den Zufall der Stra\u00dfe hier pr\u00e4sent sind, und jeder f\u00fcr sich ist mit seinem Charakter da, mit meinem Respekt fur seine Aussage. Ich war nur der Moderator. So ist eine ganz andere Modellsituation fiir die Fotografie entstanden.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>Sie haben die Leute gefragt: Wie sieht Dein Bild der Zukunft aus? Sie haben dieses Bild dann als Satz festgehalten, also wieder zur\u00fcckgef\u00fchrt vom Bild in den Satz &#8230;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Das ist nat\u00fcrlich auch sehr widerspenstig. Auf der einen Seite ist das Foto Gegenwart, jetzt schon wieder Vergangenheit des Portr\u00e4tierten und Ausdruck davon. Auf der anderen Seite ist dieser Text eine Fotografie kann nie die Zukunft festhalten &#8211; Ausdruck von Erwartungen von Zukunft. Also eine sehr widerspenstige Angelegenheit und sicherlich fiir den puristischen Fotografen nicht ganz vertr\u00e4glich.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>Vielleicht \u00e4hnlich widerspenstig wie die Portr\u00e4ts in Ihrer vorigen Ausstellung &#8222;Ich sehe meine Augen&#8220;? Da waren die Augen der Portrtitierten verdeckt, sie wirkten sehr verschlossen. Im Gegensatz dazu kehren sie jetzt in dieser Ausstellung ein bi\u00dfchen ihr Innerstes nach au\u00dfen. Gibt es einen Zusammenhang zwischen diesen beiden Fotoreihen?<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Nat\u00fcrlich gibt es einen Zusammenhang. Bei der einen Ausstellung habe ich mich den Menschen von hinten angen\u00e4hert, also den Menschen fast hinterr\u00fccks \u00fcberfallen. Die Fotos sind alle inszeniert. Ich habe die Menschen dazu bekehrt, eine bestimmte Haltung einzunehmen. Ich bin dazu mit dem Fahrrad durch die Stadt gefahren, weil das Fahrrad einfach einen sehr direkten Zugang zur Atmosph\u00e4re rundherum hat. Dabei habe ich Menschen entdeckt und gesagt: K\u00f6nnt Ihr euch mal gegen die Mauer stellen und euch die H\u00e4nde vor die Augen halten? Dabei ist die Reihe &#8222;Die erdabgewandte Seite&#8220; entstanden. Das sind alles Dinge, die man normalerweise in der Portr\u00e4tkultur nicht macht. Ich habe versucht, den Menschen von der R\u00fcckseite her zu finden und dazu noch ein sehr widerspenstiges Wortwerk gesetzt. Aber das kann man nicht mit Worten beschreiben, dazu mu\u00df man die Bilder sehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Sie sagen, Sie haben sich den Menschen von hinten angen\u00e4hert. Jetzt sind Sie ja sozusagen an ihnen vorbeigerannt in ihre Zukunft, wenn ich einmal dieses Bild fortf\u00fchren darf: Liegt darin der Zusammenhang zwischen den beiden Ausstellungen?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Ja, Sie haben das ganz sch\u00f6n ausgedr\u00fcckt. Ich bin nat\u00fcrlich nicht an ihnen vorbeigerannt, sondern ein St\u00fcck neben ihnen gerannt in ihre Zukunft hinein. Ich habe sie mit ihrem Bild von sich &#8211; und das ist wirklich ein Bild von ihnen- mit Respekt und Verantwortung fur den einzelnen, den ich vor meiner Linse hatte, fotografiert. Ich wollte nicht nur wissen, welche W\u00fcnsche und Hoffnungen die Menschen haben, sondern allgemein, was sie von der Zukunft erwarten, auch wo ihre Bef\u00fcrchtungen sind. So sind die S\u00e4tze entstanden.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>Jetzt kommt die Frage, die Sie wahrscheinlich schon erwarten, die ich aber doch am Ende dieses Interviews stellen m\u00f6chte: Wie sieht denn Ihr Bild der Zukunft aus?<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Experiment und Seele.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Herr Weppelmann, ich danke Ihnen f\u00fcr dieses Gespr\u00e4ch.<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Archiv Wilm Weppelmann: 1999 Teil 2 22.5. bis 30.6.1999 Ausstellung: &#8222;zukunft?! &#8211; hundert portr\u00e4ts und ein satz- photography Wilm Weppelmann&#8220;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":637,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,5,6,30],"tags":[27,28,10,18],"class_list":["post-647","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-fotografie","category-kunst","category-ausstellung","tag-kunst","tag-fotografie","tag-ausstellung","tag-archiv"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.weppelmann.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/647","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.weppelmann.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.weppelmann.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.weppelmann.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.weppelmann.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=647"}],"version-history":[{"count":10,"href":"http:\/\/www.weppelmann.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/647\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":908,"href":"http:\/\/www.weppelmann.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/647\/revisions\/908"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.weppelmann.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/637"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.weppelmann.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=647"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.weppelmann.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=647"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.weppelmann.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=647"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}