{"id":696,"date":"2014-01-19T09:29:08","date_gmt":"2014-01-19T07:29:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.weppelmann.de\/?p=696"},"modified":"2014-01-19T09:36:04","modified_gmt":"2014-01-19T07:36:04","slug":"archiv-2003-die-fotografien-von-wilm-weppelmann-prof-dr-dr-sternberg","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.weppelmann.de\/?p=696","title":{"rendered":"Archiv 2003: &#8222;Die Fotografien von Wilm Weppelmann&#8220; Prof. Dr. Dr. Sternberg"},"content":{"rendered":"<div class=\"pf-content\"><p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/www.weppelmann.de\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/Katalog-Titelblatt-ich-verl\u00e4sst-ich-klein.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-670 aligncenter\" alt=\"Katalog Titelblatt ich verl\u00e4sst ich klein\" src=\"http:\/\/www.weppelmann.de\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/Katalog-Titelblatt-ich-verl\u00e4sst-ich-klein-294x300.jpg\" width=\"180\" height=\"184\" srcset=\"http:\/\/www.weppelmann.de\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/Katalog-Titelblatt-ich-verl\u00e4sst-ich-klein-294x300.jpg 294w, http:\/\/www.weppelmann.de\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/Katalog-Titelblatt-ich-verl\u00e4sst-ich-klein-50x50.jpg 50w, http:\/\/www.weppelmann.de\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/Katalog-Titelblatt-ich-verl\u00e4sst-ich-klein.jpg 354w\" sizes=\"auto, (max-width: 180px) 100vw, 180px\" \/><\/a><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/www.weppelmann.de\/?p=671\"><strong>&#8222;ich verl\u00e4sst ich \u2013 Bilder vom Leben und Sterben\u201c<\/strong><\/a><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: center;\">50 Schwarz-Wei\u00df-Fotografien von Wilm Weppelmann<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: center;\">in der Akademie Franz Hitze Haus M\u00fcnster vom 8.1.2003 \u2013 28.2.2003<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: center;\"><strong>Dokumentation:<\/strong> Ausstellungskatalog &#8222;ich verl\u00e4sst ich &#8211; Bilder vom Leben und Sterben&#8220; mit Begleittexten von Prof. Dr. Dr. Sternberg und Prof. Dr. Reiner S\u00f6rries &#8211; Verlag Akademie Franz Hitze Haus 2003 ISBN 3-930322-45-5<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: center;\"><strong>ich verl\u00e4sst ich &#8211; Bilder vom Leben und Sterben<\/strong><br \/>\n<strong>Die Fotografien von Wilm Weppelmann<\/strong><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: center;\"><strong>Prof. Dr. Dr. Sternberg \/ M\u00fcnster<\/strong><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: left;\">&#8222;Meine Fotografien entspringen immer einem inneren Bed\u00fcrfnis. Ich mache keine Bilder &#8230; ich habe eine Vorstellung vom Leben und versuche, daf\u00fcr ein \u00c4quivalent in Form von Fotografien zu finden.&#8220; (Alfred Stieglitz 1864-1946)<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: left;\">Was einer der Pioniere der Fotografie hier \u00fcber das Verh\u00e4ltnis von innerer Vorstellung und bildnerischem Ausdruck sagt, das l\u00e4\u00dft sich auf die neuen Zyklen Wilm Weppelmanns anwenden. Es geht um Vorstellungen vom Sterben &#8211; nicht allein des K\u00fcnstlers, sondern aufgesucht in der nur scheinbar schlichten Frage der ersten der drei Bildfolgen. In drei Reihen wird das Thema Sterben umkreist:<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: left;\">&#8222;tangent one &#8211; hier m\u00f6chte ich sterben&#8220; zeigt Menschen, die per Anzeige und Flugblatt gesucht worden waren. Sie wurden gebeten, den Ort zu benennen &#8211; und sich dort fotografieren zu lassen &#8211; an dem sie einmal sterben m\u00f6chten. Die Bilder inszenieren die Personen an diesen Orten in dem Realismus ihrer Sch\u00f6nheit, Banalit\u00e4t oder untergr\u00fcndigen Surrealit\u00e4t. Vom malerischen Wald reichen die Szenerien \u00fcber die repr\u00e4sentativen, banalen oder privaten R\u00e4ume\u00a0R\u00e4ume bis zum Friedhof; Behaustheit und Fremde werden zum Thema. Die Dargestellten posieren zum Portr\u00e4t oder imaginieren sich selbst als Sterbende oder Gestorbene. Die Bilder sind das Ergebnis von langen Gespr\u00e4chen und Er\u00f6rterungen \u00fcber den zumeist verdr\u00e4ngten oder unangenehmen Endpunkt des Lebens. Weppelmann geht auf die W\u00fcnsche und die Individualit\u00e4ten ein, ordnet seine Gestaltungsabsicht dem &#8222;realistischen&#8220; Blick der Schwarz-Wei\u00df-Fotographie unter, sch\u00f6nt und verfremdet nicht. Die Arbeiten bekommen dadurch etwas von der Unbestechlichkeit der fr\u00fchen Dokumentar- und Personenfotografie etwa eines August Sander. Verfremdend wirken Frage und Anla\u00df, die eine nicht reale Situation zu antizipieren versuchen. Wie verhalten sich Identit\u00e4t und Selbstbild zu dem, was man sich als Ort des Endes w\u00fcnscht? &#8211; auch wenn es wohl ganz anders kommen wird; der Tod in der Krankenstation, am Unfallort oder vielleicht auch im Hospiz sind viel wahrscheinlicher. Keiner ist so naiv, zu glauben, der Ort, an dem man sterben m\u00f6chte werde auch der sein, an dem man sterben wird. Die Orte werden zu Verortungen des eigenen Lebens &#8211; der Aufgenommenen, des Fotografen und schlie\u00dflich auch der Betrachter in der Ausstellung.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: left;\">&#8222;tangent two &#8211; ich verl\u00e4sst ich&#8220; stellt nicht nur im Ablauf eine zweite Station dar. Es ist die n\u00e4chste Ebene einer Reflexion \u00fcber das, was mit dem Lebensende zusammenh\u00e4ngt. Die Stimmmung von Haushaltsaufl\u00f6sungen liegt \u00fcber den Bildern. Was ist es, was zur\u00fcckgelassen wird? Was wird fehlen, wenn &#8222;ich&#8220; nicht mehr da bin? Was ist dieses &#8222;Ich&#8220;? Was ist es, das meine Individualit\u00e4t ausmacht? Was bleibt, von dem, was mir wichtig ist &#8211; und von mir selbst? Auch: was wird als so belastend empfunden, da\u00df es in den Tod treibt? &#8211; Fotographisch werden hier Tableaus gebildet, in denen zwei v\u00f6llig verschiedene Verfahren kombiniert werden: links stehen Dokumentationen leerer R\u00e4ume und Text-Bild- Kombinationen, die ein Spezifikum der k\u00fcnstlerischen Arbeit Weppelmanns ausmachen. Knappe Texte konzentrieren das Gemeinte auf Begriffe, die mit einem assoziativen Detail im Foto verbunden sind. Die Texte sind in deutlich lesbarer Schrift auf Zettel ausgedruckt und werden mit dem Motiv zusammen fotografiert. Fr\u00fchere Reihen zeigten solche Texte in den H\u00e4nden dargestellter Personen. &#8222;konnte nicht mehr zu mir kommen&#8220; l\u00e4\u00dft ein banales Klingelbrett an einer Hauswand sehen; die Klage &#8222;es war immer ein Gesicht da&#8220; zeigt den nun leeren Spiegel. Symbol und Text verschmelzen im Bild wie der Titulus im barocken Emblem und Sinnbild. Leere R\u00e4ume und allt\u00e4gliche Orte bekommen eine gespenstische Leere durch das Thema der Reihe und die Erg\u00e4nzung durch die Bilder auf der\u00a0rechten Seite: Sie zeigen Portr\u00e4ts, verwischt, aufgehellt, verfremdet bis an die Grenze der Lesbarkeit. Vergehen und Verl\u00f6schen wird in diesen Arbeiten neben dem sachlichen Blick auf die Dinge und Orte zu einem Menetekel der Verg\u00e4nglichkeit. Die Aufl\u00f6sung wird geradezu als dynamischer Proze\u00df erfahrbar durch die fotografische Technik und Gestaltung. Die Aufl\u00f6sung ins Helle, ins Licht korrespondiert mit dem Licht, das im Bild VII &#8222;acht Stunden im Nichts&#8220; durch das hohe Fenster auf den leeren Schreibtisch f\u00e4llt. Was wird bleiben, was bleibt erkennbar, wenn die letzte Zeile im Stammbuch gef\u00fcllt ist?<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: left;\">&#8222;tangent three &#8211; pavor nocturnus&#8220; pr\u00e4sentiert Imaginationen und Texte \u00fcber die &#8222;n\u00e4chtliche Angst&#8220;. Diese Reihe geht an die Grenzen des im Medium der Fotografie Sagbaren. Wie die Realisationen n\u00e4chtlicher Obsessionen wirken die schwarz-wei\u00dfen Fotografien. Es sind R\u00e4tselbilder, die den r\u00e4umlichen Kontext, das Motiv, den Zusammenhang nicht immer erkennen lassen, obwohl dies nicht in der Technik der Verfremdung, sondern nur \u00fcber das Motiv geschieht. Diese Bilder ber\u00fchren nicht allein die thematisch gegebenen Grenzen, sondern auch der psychischen Konstitution, der Mitteilung im Bild. Traumsequenzen, Objekte und Sinnbilder der Angst vereinen sich zu einem Totentanz der Furcht vor dem Sterben. Wie weit k\u00f6nnen solche Motive rezipierbar gemacht werden? Wie ist die\u00a0\u00dcbertragung auf die Betrachter m\u00f6glich? Der Weg geht \u00fcber das allgemeinverst\u00e4ndliche Symbol, wie im Bild vom &#8222;Rand&#8220;, an dem man steht. Der beigef\u00fcgte Text ist diesem Fall mehr als ein Titel oder Kommentar. Die Texte werden zu einem ganz eigenst\u00e4ndigen Ausdrucksmedium neben dem Bild. Es handelt sich gewisserma\u00dfen um Lyrik-Fotografie-Kombinationen. Das tertium komparationis von Bild und Text ist oft nur ein Begriff, ein Wort, ein Gedanke. Nur einmal bleibt jedes Wort im Halse stecken und tiefes Schwarz verweigert jeden Kommentar: Das mit Arabesken gestaltete schmiedeeiserne Tor zum Vernichtungslager Buchenwald mit seiner ungeheuren Aufnahme eines Cicero-Satzes verschl\u00e4gt jede Sprache &#8211; und gibt gleichwohl ein Schlaglicht auf ein kollektives Trauma, das seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts mit dem Wort &#8222;Tod&#8220; verbunden bleiben wird.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: left;\">Ist Wilm Weppelmann ein Fotograf? &#8211; Er ist ein nachdenklicher Beobachter, der existentielle Fragen stellt und sie in anderen als im Medium des zusammenh\u00e4ngenden Textes zu beantworten versucht, auch insofern hat er es mit Kunst zu tun. Der Diskurs wird gef\u00fchrt \u00fcber Bild, Text, Titel, Sinnspruch, Frage und zusammengehalten im Medium der Fotografie. Wenn die Frage nach dem Sterben so existentiell gestellt und darstellt wird, dann wird etwas preisgegeben, dann &#8222;geht das unter die Haut&#8220; &#8211; aber nicht nur bei den beteiligten Akteuren und dem Autor, sondern\u00a0sondern auch bei den Betrachtern einer solchen Ausstellung. Letzte Fragen zu stellen, ist in einer medial bestimmten und durch\u00f6konomisierten Welt scheinbar unpassend &#8211; und doch ist es die \u00fcberlebensnotwendige Aufgabe der Kunst wie auch der Religion, sich dem Verdr\u00e4ngen der wirklich wichtigen und existentiellen Themen zu widersetzen. Sie zu stellen hei\u00dft, sich auf einen Weg zu machen, der \u00fcber mich selbst Auskunft verlangt und \u00fcber meine Auseinandersetzung mit den Antwortversuchen, die in der Tradition der Geschichte und des Glaubens hierzu gegeben wurden.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: left;\">&#8222;das Leben steuert unbeirrt zum Ziel&#8220; ist der Titeltext des zehnten Bildes der dritten Reihe: was ist dieses Ziel? Ist es das Sterben selbst? Wird dann noch etwas sein &#8211; und was wird das sein? Diejenigen, die ihr Ziel schon erreicht haben, k\u00f6nnen uns keine Auskunft mehr dar\u00fcber geben, wohl aber aus ihrer Lebenszeit \u00fcber den Grund ihrer Hoffnung.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: center;\">Prof. Dr. Dr. Thomas Sternberg, M\u00fcnster 2003<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: left;\">\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;ich verl\u00e4sst ich \u2013 Bilder vom Leben und Sterben\u201c 50 Schwarz-Wei\u00df-Fotografien von Wilm Weppelmann in der Akademie Franz Hitze Haus<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":688,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,5,6,30],"tags":[10,20,21,27,28],"class_list":["post-696","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-fotografie","category-kunst","category-ausstellung","tag-ausstellung","tag-sterben","tag-tod","tag-kunst","tag-fotografie"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.weppelmann.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/696","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.weppelmann.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.weppelmann.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.weppelmann.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.weppelmann.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=696"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.weppelmann.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/696\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":700,"href":"http:\/\/www.weppelmann.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/696\/revisions\/700"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.weppelmann.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/688"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.weppelmann.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=696"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.weppelmann.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=696"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.weppelmann.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=696"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}