Eine Ausstellung vom Kulturamt der Stadt Münster

LANDMARKS SEEMARKS – eine poetische Installation mit Fotografien und Texten von Wilm Weppelmann

im Haus der Niederlande vom 3.9. bis 3.10.2016

Die Landschaft hat sich zu einem vielseitigen Gegenstand der künstlerischen Fotografie entwickelt. Auch der Münsteraner Fotograf und Konzeptkünstler Wilm Weppelmann hat sich dem Thema genähert und seine eigene Bild- und Raumsprache mit Texten und Fotografien ausgearbeitet. In der Ausstellung im Haus der Niederlande waren  zweiundzwanzig Bild- und Texttableaus und eine Installation zu sehen.

Im Crossover der unterschiedlichsten künstlerischen Arbeitsmittel vertieft der Künstler sich in eine rätselhafte poetische Welt zwischen innerer und äußerer Landschaft. Diese Auseinandersetzung erweitert der Künstler noch mit einer raumgreifenden Installation, um eine weitere Brücke zu schlagen zur eigenen Seelenlandschaft.  Wenn Wilm Weppelmann Landschaft zum Sujet macht, dann ist nicht die Landschaft selbst der eigentliche interessante Gegenstand. Die Landschaft ist für ihn nur Anlass für etwas ganz Anderes, nämlich für den neuen Umgang mit ihr. Die Landschaft liefert dem Künstler die konservativen, gewöhnlichen Eigenschaften, um diese einer anderen erweiterten Lesart zuzuführen, einer neuen poetischen Wahrnehmungsqualität – Landschaften zwischen Worten.

Epilog # von Wilm Weppelmann

wie wollen wir uns überhaupt wahrhaben können wie wollen wir sehen wenn unsere innere und äußere landschaft nur ein abstrich unserer unruhe ist wir nicht mehr anhalten können unsere aufmerksamkeit nur sekunden hält und das gefühl zur auflösung neigt auch wenn wir sehen sehen wir nur das nächste auch das nicht mehr bis alles nichts und in eine flirrendes nichts übergeht auch dann können wir nicht stehenbleiben in unseren augen in unserem kopf denn bewegung ist immer noch mehr als nichts meinen wir meinen wir jeden tag flüchtig mit uns vor uns

senkrecht in die dunkelheit
fiel das lot
anhaltspunkt
des anfangs im heute
wo für die zukunft
der gesichtskreis der zeit
vermessen werden wollte
damit schicksal
nicht im dunst der angst verharren musste
ja, länger im leben bleiben durfte –

Landschaft zwischen Worten II

 

Hintergrundmaterialien:

Georg Simmel . Philosophie der Landschaft (1913) . ex: Die Güldenkammer. Eine bremische Monatsschrift, herausgegeben von Sophie Dorothea Gallwitz, Gustav Friedrich Hartlaub und Hermann Smidt, 3. Jg., 1913, Heft II, S.635-644 (Bremen)

Bertolt Brecht. Dialog zwischen einem Maler und einem Lyriker über neue Kunstformen, 1940/41

….  DER LYRIKER: Ich denke an Kunstwerke, die aus zwei verschiedenen Teilen bestehen:
ein Gedicht, geschrieben auf eine Tafel, und eine weitere Tafel mit einem Bild darauf. Sie
könnten in demselben Raum, wenn auch nicht unbedingt nebeneinander hängen. Das Bild
brauchte nicht, wie eine Illustration, dem Gedicht Leben einzuhauchen, und es könnte selbst
auch derart sein, dass es ohne Gedicht „leben“ könnte.
DER MALER: Du meinst, dass Bild und Gedicht zwei künstlerische Behandlungen ein
und desselben Motivs sein sollten?
DER LYRIKER: Ja, aus dem Bild treten gewisse gedankliche und aus dem Gedicht gewisse
optische Elemente hervor.
DER MALER: … Aber Dein Gedicht? Wird es nicht dadurch verlieren, dass das Bild in der
Vorstellung, die es hervorruft, gleichzeitig durch ein Bild fixiert wird, das die Phantasie zügelt?
DER LYRIKER: Das kommt ganz auf das Bild an.   ……….