2007: “Die Stadt fragt” von Wilm Weppelmann

mit dem “Institut für Soziologie” der WWU Münster

Plakat-kleinDokumentation: Film Die Stadt fragt von Ameetaa Kelsch / Institut für Soziologie

Eine Anstiftung zur Frage – der Künstler und das Projekt

STELLEN SIE BITIE IHRE FRAGE! Mit dieser Aufforderung hat der Künstler Wilm Weppelmann schon die Stuttgarter Bürger irritiert. Am 23.11. und 24.11.2007  waren die Studenten der Soziologie im künstlerischen Auftrag an dreißig Standorten in der Stadt Münster aktiv, um die spontanen Fragen der Münsteraner an ihre Stadt, an die Gesellschaft in Erfahrung zu bringen. Am 24.11.2007  also einen Tag danach wurden diese Fragen im Zentrum der Stadt veröffentlicht. Die gesammelten Fragen wurden auf 1,5 x 0,9 m großen SW-Plakaten einzeln quer durch den ganzen Innenstadtraum in der Nacht verteilt auf Häuserwänden geklebt, d. h. am Samstagmorgen waren sie für alle Besucher der Stadt kaum zu übersehen. Diese Aktion war nicht abgesprochen mit der Stadt und den Ordnungsbehörden und war eher überfallartig guerillataktisch organisiert. Die Plakate wurden am Nachmittag ohne Beschädigungen der Häuserwände wieder eingesammelt und entfernt.

Kunst und Wissenschaft ziehen in diesem Projekt an einem Strang, denn Ursprung von jeder Wissenschaft ist die Frage, das Staunen. Ein Künstler ist auch ein Forscher hinter den Selbstverständlichkeiten des Lebens, er löst sie nur anders auf und bringt sie auf einen anderen Weg ins öffentliche Bewußtsein als die Wissenschaft. Die menschliche Seite bekommt hier eine besondere Bühne. Wilm Weppelmann arbeitet in seinem Projekt an der Schnittstelle von Kunst und Poltitik, will anstößig sein. Seine Ausstellungen zum Tabuthema Sterben haben Akzente gesetzt. Er agiert subversiv und interveniert hintergründig im öffentlichen Raum. Immer ein Experiment, das auch für die Möglichkeit des Scheiterns offen ist.

Eine Antwort zur Frage – ein Exkurs

Die Frage ist Ausdruck eines universellen menschlichen Vermögens, als eine Weise, Weit. eigenes Selbst. Du und Wir zu erkunden um mit ihnen in Beziehung zu treten, sich auf das Wagnis Wissen, Erkennen und Erfahren einzulassen und sich gleichermaßen dem Zweifel, der Kritik, dem Nicht-Wissen, der bleibenden Fragwürdigkeit auszusetzen. Eine Frage muss nicht beantwortet werden. Sie erhält ihre Berechtigung nicht durch eine Antwort, sondern ganz allein aus sich. ln Fragen steckt deshalb eine eigene Wahrheit,  weil sie uns sensibilisieren für die Wirklichkeit, in der wir leben.

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