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sterben kommt.  szene_Wilm Weppelmann

24.4.2004 bis 19.9.2004  im Museum für Sepulkralkultur Kassel Ausstellungsfläche: 700 qm

Artassistenz und Realisation:  Willi Landsknecht, Thomas Poggenhans und Thomas Unger
Supervisor: Dr. Andreas Mussenbrock, Martin Grundmann
Fotoassistenz: Wolfgang Kortmann
Illustrationen „Die Kunst in sich zu wohnen“ Rüdiger Pfeffer
und die Mitarbeiter des Museums für Sepulkralkultur Kassel Kataloglayout: Heinz Dalmühle

Medienecho 2004: Frankfurter Rundschau: „Der Münsteraner Künstler Wilm Weppelmann zeigt ein Haus über Leben und Tod.“ Kulturspiegel: “ .. mutig und gut: Wilm Weppelmann verwandelt das Museum für Sepulkralkultur in Zimmer mit Aussichten auf die Endlichkeit ..“ HR Fernsehen: “ .. keine leichte Kost, aber konsequent ..“ NDR 1: „.. intelligent und vielschichtig…“

Katalog: „sterben kommt. szene_wilm weppelmann“ Hrsg. Museum für Sepulkralkultur Kassel 2004 ISBN 3-924447-25-x
mit dem Supplement Wilm Weppelmann „Die Kunst in sich zu wohnen“ ISBN 3-924447-27-6

„Niemand hat das Thema wirklich gewollt. Der Tod ist uns allen nah und fern zugleich. Mühsam versuchen wir ihn aus unserem Wahrnehmungskreis zu verdrängen. Aber je mehr wir diesen Versuch unternehmen, um so mehr entfernen wir uns – von uns selbst. Das Ende des Lebens ist unfasslich und mit einem abstrakten Schrecken besetzt. Das Bewusstsein um die eigene Endlichkeit ist tief in unserem Wesen verantkert und verbindet sich mit allen Poren unseres Lebens. Ja, sterben kommt. Wir wissen darum und wissen doch nichts.“ Wilm Weppelmann 2004

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 Pressetext des Museums zur Ausstellung:

25. April – 19. September 2004 sterben kommt

„Um Gottes Willen für den Menschen!“ lautet das Motto der „Woche für das Leben“ 2004 (24. April bis 1. Mai). Sie ist eine gemeinsame Initiative der evangelischen und katholischen Kirche und thematisiert „Die Würde des Menschen am Ende seines Lebens“ in den verschiedensten Veranstaltungen. Aus diesem Anlass zeigt das Museum für Sepulkralkultur die Sonderausstellung sterben kommt, inszeniert und kuratiert von dem Münsteraner Künstler Wilm Weppelmann.

sterben kommt will uns in aufwendigen szenografischen Bildern vermitteln, wie nah die Grenze zwischen unserem täglichen Handeln, Denken und Fühlen zu dem meist sorgfältig verdrängten Wissen um die Begrenztheit des Lebens ist. Ausgehend von der Idee des Wohnhauses, des ganz Alltäglichen, nimmt die Ausstellung verschiedene Blickwinkel ein, und stellt immer wieder Fragen, die sich aus der jeweiligen Raumsituation erschließen. Aus jedem Zimmer, aus Flur, Küche, Bad, Schlaf-, Wohn- und Kinderzimmer, von Garten und Balkon aus betrachtet, bietet sich eine immer wieder andere Perspektive auf Sterben und Tod.

So verstellen Türen den Weg in die Ausstellung, die Geburtsurkunde wird zum Schlüssel, zur Eintrittskarte. In der Diele begegnen wir zahlreichen Garderobenständern mit abgelegten Gegenständen, ein Geben und Nehmen, eine Folge von Möglichkeiten und vertanen Chancen, bis zuletzt das eintritt, was wir ungern beim Namen nennen.

Im Wohnzimmer bringt das Zappen mit der Fernbedienung durch die Kanäle oft keine wirkliche Entspannung, eher Verzweiflung. Schauspieler sind geübte Vielsterber, zeigen schon mal, wie es geht und nehmen ihre Stellvertreterrolle sehr ernst.  Die Vorstellung vom Tod, die wir uns machen können, ist meist eine medial vermittelte, eine, über die der ästhetische Blick läuft; die Erfahrung des Todes bleibt uns verborgen; was bleibt, ist eine Annäherung.

In der Küche sehen wir, wie aus unseren Nahrungsmitteln allein durch das Vergehen von Zeit gefährliche Giftstoffe werden, wie Fleisch jeglicher Art sein Lustversprechen einbüßt und wie aus täglich konsumierten Genussmitteln Suchtstoffe werden, deren lebensverkürzende Nebenwirkungen wir wohl oder übel gern in Kauf nehmen.

Und im Kinderzimmer übt sich der Tod schon mal am Joystick. Kinder müssen sich im Dschungel virtueller Kampfwelten behaupten und ihre Gameboyfertigkeiten üben. Aber es ist nur ein Spiel, denn die gezeigten Toten sind ja nie wirklich tot, in Wirklichkeit sind sie unsterblich.

Im Schlafzimmer, im Schlaf und im Traum verlieren wir die Kontrolle über unsere Tagesgedanken, und in der Traumwelt werden wir auch schon mal zu Tätern und Opfern.

Aus der Vogelperspektive relativiert sich alles. Vom Balkon erscheinen alle Probleme klein, weit entfernt und verschwinden hinter dem Horizont. Wenn wir Details aus dieser Perspektive nah heranholen, rückt Übersehenes, Bekanntes und Gewöhnliches in ein anderes Licht. Unter Zuhilfenahme weiterer Quellen zeigen sich eine Fülle von Details, die uns die Nähe zwischen Sicherheit und Gefahr, zwischen Freude und Trauer enthüllt.

Die Ausstellung sterben kommt ist multimedial angelegt und sehr vielschichtig. Sie dringt ein in die häusliche Welt der Menschen und verbindet den Alltag mit dem Ende des Daseins. Integriert sind auch Werke des Kasseler Künstlers Harry Kramer, des Düsseldorfer Künstlers Hannsjörg Voth und des Karlsruher Künstler Hermann Weber.  Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen.

Auf dieser Webseite stehen auch weiterführende Texte und Medien zur Ausstellung zur Verfügung:

Prof. Dr. Reiner Sörries “ Das Haus und davon, dass das Haus kein Dach hat“

Wilm Weppelmann „Oder die Kunst in sich zu wohnen“ Einführungstext zur Ausstellung

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Texte aus dem Supplement Wilm Weppelmann „Die Kunst in sich zu wohnen“   ISBN 3-924447-27-6

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Kurzfilm „sterben ist ganz einfach“ Darstellerin: Christina Weiser # Regie: Wilm  Weppelmann # Produktion: Bernhard Vormann, Stefan Hollekamp

attack yourself  Bildinszenierung zur Ausstellung „sterben kommt“ Fotografie: Wilm Weppelmann 2004

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Prof. Dr. Sörries aus der Einführung „sterben kommt. Gedanken zur Einführung“ Kassel 2004:

sterben kommt. ist eine Ausstellung zu einem elementaren Thema, dem sie in seiner Existenzialität nicht gerecht werden kann. Das kann keine Ausstellung. sterben kommt. ist der Versuch einer Annäherung aus verschiedenen Blickwinkeln. sterben kommt. ist eine profane Ausstellung in einem religiösen Kontext. Eröffnet mit einem ökumenischen Gottesdienst, ist sterben kommt. der Beitrag des Museums für Sepulkralkultur zur ökumenischen Woche für das Leben, die 2004 dem Thema verpflichtet ist: „Die Würde des Menschen am Ende seines Lebens“. Ob das Museum für Sepulkralkultur die Erwartungen aller Besucherinnen und Besucher mit ihren höchst unterschiedlichen religiösen und weltanschaulichen Voraussetzungen erfüllt, darf nicht beansprucht, darf gehofft werden. Denn die Würde des Menschen am Ende seines Lebens ist nicht teilbar, nicht aufteilbar. Sie muss für Christen und Nichtchristen, für Juden und Moslems, für Hindus und Buddhisten, für weltanschaulich gebundene und nicht gebundene Menschen gleichermaßen gelten. Es gibt nur eine Würde, die Menschenwürde, nicht zuletzt als Postulat an unsere Gesellschaft, sie zu achten und das Ihre zu tun, den Anspruch auf ein Leben und Sterben in Würde zu garantieren. Sterben in Würde zu ermöglichen richtet sich als Forderung zunächst an die Verantwortlichen und Professionellen in diesem Bereich. Die von England ausgehende Hospizbewegung, die in den 1980er Jahren Deutschland erreicht hat, zeigt Möglichkeiten auf, Sterbende und ihre Angehörigen zu betreuen und dabei ihre Selbstbestimmung zu achten. Die Errungenschaften der Palliativmedizin sind hinzugekommen und unterstützen durch eine individuell ausgerichtete Schmerztherapie Menschen in ihrer letzten Lebensphase, die Dinge verantwortlich und selbstbestimmt zu tun, die ihnen jetzt wichtig sind. Noch sind wir ein gutes Stück davon entfernt, dass hospizliche Betreuung und palliativmedizinische Unterstützung in ausreichendem Maß angeboten werden können, weil Geld fehlt, manchmal auch die Einsicht und letztlich das Bewusstsein für die Unumstößlichkeit: sterben kommt.

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